Velafee - Blog - die 50.000.
 
die 50.000.
09.08.17
Ich habe lange hin und her überlegt, wie ich auf diese Zahl, sollte ich sie einmal erreichen, reagieren werde.
Mit großem TamTam, Fanfare und teuren Gewinnen, die ich an die Zuschauerschaft verschenke als seien es BonBons an Karneval, mit einer endlosen Dankes-Tirade im Stream oder als YouTube-Video - oder wie jetzt, in dem ich hier, wo alles anfing, nun sitze und mich an den "Anfang" zurückerinnere - und euch, die schon von Anfang an dabei waren oder aber eben aus Versehen über diesen Beitrag gestolpert sind, meine Geschichte erzähle.

Ich erinnere mich, dass mich Videospiele schon immer magisch angezogen haben. Ich selbst bin aufgewachsen ohne je eine Konsole, geschweige denn einen Gameboy zu besitzen. Meinen ersten Fernseher (aufs Zimmer) bekam ich mit 14. Den PC teilte ich mir mit meiner Schwester, um in maximal einer Stunde Point&Click Spiele wie TKKG zu spielen. Ich bekam über meinen Onkel oder Freunde Zugang zu den aller ersten Tomb Raider Teilen, wo wir meist nur in Laras Haus versucht haben den Butler einzusperren, weil wir viel zu jung und motorisch vermutlich unfähig waren, tatsächlich die Hauptstory zu schaffen. Oder wir spielten Super Mario. Oder Ping Pong.
Auch Sims und GTA Vice City spielten hier und da kleine Nebenrollen in meinem Leben, wenn ich am Computer neben Freundinnen saß und wir uns immer abwechselten.

Im Nachhinein betrachtet fast schon ironisch - meine armen Eltern denken bestimmt ich kompensiere immer noch!

Ende 2012, damals noch Zuschauerin bei Dota 2, faszinierte mich die mir bis dahin unbekannte mystische Welt der komplizierten Zauber, unbekannten Routen und mächtigen Gegner. Mein in die Jahre gekommener Laptop sollte der Auslöser für die Installation von League of Legends statt Dota 2 sein; ein Spiel, das sowohl einfacher zu verstehen als auch zu erlernen sein sollte - und natürlich mit geringeren Anforderungen wie für mich gemacht war.
Im Frühling 2013 ging es für mich in meine erste eigene Wohnung, rund 200 Kilometer von zu Hause entfernt, mit vier Mitbewohnern und einem Im-Mietvertrag-Inklusiv-Wlan, dessen Router ich bis heute nicht gesehen habe. Über ein Jahr lang hielten mich vier- bis fünfstellige Pings nicht davon ab, meine neu entdeckte Leidenschaft auch nach meinem Auszug von zu Hause, wo das Internet nur marginal besser war, an den Nagel zu hängen. War es nun schwierig Ranked oder gar Normals zu spielen ohne permanent geflamed zu werden, hielt ich mich an Arams, die zu der Zeit als Test-Modus eingeführt wurden und spielte dann eben hauptsächlich diese.

Nach und nach entdeckte ich Twitch für mich und schaute den ganz Großen, eher englischsprachigen dabei zu, wie sie Massen um Massen mit Spielen unterhielten, von denen ich keine Ahnung hatte.
Trotzdem schaute ich immer weiter zu. Nennt man dann wohl gelungenes Entertainment.
Irgendwann wuchs in mir der Wunsch, dieses "streamen" ebenfalls auszuprobieren, vielleicht würde es mir ja auch liegen. Kurz nachdem ich in eine neue Wohnung gezogen war, da die Alte in etwa so verlottert war wie mein damals ca 6 Jahre alter Laptop, kaufte ich mir kurzerhand einen neuen Computer bei Media Markt. In 12 Raten abzubezahlen, 0% Finanzierung. Gerade so den Anforderungen entsprechend, die man zum Streamen brauchte, laut Google. Und Youtube.

Und hier war ich. Am 18. Oktober 2014 zum ersten mal live auf Twitch.tv, Velafee on air. Wieso eigentlich Velafee? Na, dass das 'ne Antibabypille ist, auf den Trichter bin ich auch schon gekommen. Mir gefiel der Begriff "Veela" von Harry Potter, sodass ich verschiedene Kombinationen ausprobierte und letztlich bei Velafee hängen geblieben bin. Schon mein Account bei League of Legends hieß immer so, wieso nicht gleich den Twitch-Kanal so nennen? Ich meine, nicht dass ich überhaupt dachte, dass mir wer zusieht - also was soll's?

Die ersten Streams verliefen zugegeben eher holprig, ich hatte mir vorher von meinem Vater eine Webcam und ein Headset geborgt, dass er gerade so rumliegen hatte. Hier schonmal einen fetten Respekt an diejenigen, die sich DAS geegeben haben! Kartoffel-Stream, mit Kartoffel-Qualität und stummer Streamerin. Ich hatte halt einfach nicht so viel zu erzählen. Viele Aufmunterungen, mal mehr, mal weniger freundlich, ich solle mal mehr reden und einen Viewer, der in den Chat spaziert kam und mir quasi ein Bewerbungsschreiben vorlegte, damit er Mod sein durfte. Ich gab ihm die Rechte. Von da an stand er mir mit Rat und Tat zur Seite, beriet und bestärkte mich und half mir wo es nur ging.
Er schmiss quasi den Stream.
Heute ist er schon recht lange nicht mehr Teil des Teams, hat privat und beruflich sein Glück gefunden, aber ich erinnere mich immer gut zurück und wünsche ihm nur das Beste.

Auch die ersten Viewer & Mods die heute noch in meinem Stream rumlungern, ich erinnere mich daran. Auch Probs an euch dass ihr immernoch dabei seid!
So viele gute und leider auch ein paar schlechte Menschen die mich geprägt und begleitet haben.
Ich finde es wichtig, den Menschen, die mir folgen zu sagen - ich sehe euch, ihr seid nicht unsichtbar. Nicht im Stream, nicht auf Twitter oder Instagram.
Auch wenn es mir nicht möglich ist euch privat kennen zu lernen, zu schreiben oder zu zocken - oder immer jede Anfrage zu beantworten.

Gerade deshalb höre oft, dass ich mich verändert habe. Und dass Veränderung nichts Gutes bedeutet. Arrogant, abgehoben sind nur zwei Begriffe die hin und wieder in dem Kontext auftauchen. Das sehe ich anders. Im Gegenteil, wenn ich jetzt noch so wäre wie damals, wäre ich eine Katastrophe! Ehrlich mal, keiner von uns will doch in seiner Entwicklung stehen bleiben! Ich verstehe, dass viele durch den Zuwachs an Viewern unzufrieden wurden. Doch für mich bedeutete es, dass mehr Menschen gefällt was ich tue und dass ich tatsächlich Leute unterhalten kann. Ich bin nicht mehr die kleine schüchterne Streamerin, die versucht möglichst unter'm Radar zu bleiben, weil sie Angst vor dem Internet hat.
Ich habe mir ein dickes Fell wachsen lassen, kann auch mal auf den Putz hauen und meine Meinung sagen, oder einfach verwirrtes Zeug brabbeln. Denn Fakt ist, ich war nie mehr ich selbst als jetzt. Ich spreche - vor allem auf Youtube - Dinge an, die mich beschäftigen. Und bekomme fast nur positives Feedback! Für mich ist es ein andauernder Lernprozess, lockerer zu werden und zu verstehen, dass das was ich so von mir gebe, wirklich Leute interessiert. Es gucken sich verdammt noch mal Leute eben an, was ich zu sagen habe.


So vergingen die Jahre, mein Stream verbesserte sich - naja, das Set-Up ;). Ich legte mir meine Social Media Kanäle zu, Twitter, Facebook und ja, auch irgendwann Instagram. Ich ging eine Partnerschaft mit SummonersInn ein. Das "Velafee erklärt die Welt" Video haben nicht nur meine Eltern gesehen, sondern meine ganze Familie. Meine Oma spricht stolz davon dass ich "in so einer Art Fernsehen" war.
Im März 2015 dann wurde ich Twitch-Partnerin (wtf, mein kleiner Kartoffelstream?) und ich durfte eine völlig neue Welt und völlig neue Menschen kennenlernen, auch zwei meiner heute besten Freundinnen.
Sowohl Gleichgesinnte (Streamer) als auch Viewer, die ja durch's Zocken auch irgendwie gleichgesinnt sind, waren nur einige neue Erfahrungen und Eindrücke neben Events wie Gamescom, Dreamhack und Co., die mir bis heute unter die Haut gehen und an die ich mich immer gern erinnere.

Trotz meiner neuen Partnerschaft mit Twitch, die mir ermöglichte, den Stream nicht nur durch Donations sondern nun durch Abos und Werbung zu kommerzialisieren, war - und wie ihr wisst ist es mir bis heute immer wichtig, mein Leben nicht vollständig an "Velafee" auszurichten. Gerade zu Beginn habe ich sechs oder sieben mal die Woche gestreamt und schnell gemerkt, dass dies auf Dauer kaum auszuhalten ist und ich vergessen habe, dass es auch noch mich gibt, Kim, die BWL-Studentin, beste Freundin, Schwester, Tochter und so vieles mehr. Ich habe etwas Zeit gebraucht um eine Balance zwischen realer und virtueller Welt zu finden, bis mir klar wurde, dass ich meinen Stream nicht "professionell" oder "hauptberuflich" ausführen möchte. Denn mit einem Vollzeit-Studium und einem Teilzeit-Job ist und war das gar nicht mal so leicht.
Auch jetzt, im Master-Studium, habe ich mich dazu entschieden, ein Auslandssemester in Griechenland, ganz ohne Stream zu machen und diesen Meilenstein in meinem Leben mitzunehmen. Denn ich komme ja wieder, und dann streame ich eben, wenn ich wieder da bin.

Und jetzt, hier und heute bin ich an diesem fetten Meilenstein angelangt. Mit 50.000 Followern auf Twitch. Für manche mögen das nur Peanuts sein. Für mich eine Zahl die Jenseits meiner Vorstellungskräfte liegt. Mit einer Community auf die ich stolz bin. Mit Menschen, die durch das, was ich mir damals spontan überlegt habe, zusammen gefunden und eine Freundschaft entwickelt haben. Ich selbst konnte mich in dieser Zeit entwickeln, einzigartige, tolle Menschen nun meine Freunde nennen und Dinge erleben, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existieren.

Das ist der Grund weshalb ich nun nicht versuche mit Geschenken meine Reichweite am 50k Meilenstein zu erweitern, wie es vielleicht ein kluges Marketing-Genie getan hätte. Sondern diesen Beitrag schreibe, durch den sich eher die quälen, für die er auch bestimmt ist. (Keine Sorge, es wird schon irgendwann wieder ein Gewinnspiel geben ;) ).

Also Danke. Danke, dass ihr Teil meiner Reise seid. Dass ihr mich zum Lachen bringt. Immer einschaltet. Mir Feedback gebt. Danke dafür dass ihr mir sagt, dass ihr abschalten könnt, wenn ihr meinen Stream schaut. Dass ihr meine Seiten und Beiträge liked. Dass ihr im Chat schreibt. Danke für jeden Host, jede Erwähnung, jede Bildbearbeitung, jeden Share. Für ein unermüdliches Mod-Team. Für diese unglaublich tolle Website. Und danke, dass ihr euch das hier alles durchgelesen habt.

Ich bin gespannt auf die kommende Zeit und was noch so kommen mag.

Eure Kim
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